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| Moorfleet gehört zum Bezirk Bergedorf und ist der westlichste Ort der Marschlande. Auf rund 4,3 qkm leben hier 1061 Menschen. 1162 wurde Moorfleet als "Urenflet" erstmals neben 8 weiteren Orten erwähnt. Es lag zusammen mit Allermöhe und Billwerder auf der Elbinsel "Billwärder" in einem Deichverband. Man nannte diese Elbinsel auch "Landschaft Billwärder" und die Orte Moorfleet und Allermöhe wurden auch "Billwärder an der Elbe" genannt. Nach der Zerstörung durch Sturmfluten, verpfändete der Holsteinische Graf die Insel 1328 mit dem Auftrag, das Land wieder in den ursprünglichen Zustand zu bringen. Hierzu wurde 1331 die "Glockenurkunde" verfasst. Die Glocken der Kirchen von Moorfleet, Billwerder und Allermöhe sollten verkauft werden um mit den Einnahmen die Deiche zu reparieren. Diese Urkunde nannte erstmal die Kirche von Moorfleet. 1395 wurde Moorfleet zusammen mit Billwerder und Allermöhe durch die Holsteinischen Grafen an Hamburg verkauft. Die Stadt gründete die Landherrenschaft von Bill- und Ochsenwerder und setzte einen Senator - den Landherrn - als Verwalter ein. |
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| Seinen Namen hat Moorfleet nach einem Entwässerungspril - dem "Urenfleet". Es war ein Wasserlauf der von der Landscheide kommend zum Herrenbrack floss. Auf seinem Weg umfloss er die Kirchenwarft. Hier sind noch heute Reste des Urenfleets vorhanden. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war das Urenfleet für kleine Fahrzeuge sogar schiffbar.
Vom Herrenbrack aus konnte das Wasser bis 1788 über eine Schleuse in die Dove-Elbe geleitet werden. Dann wurde die Sandwischschleuse zugedämmt und an ihre Stelle eine Holländerwindmühle gebaut, die sowohl der Entwässerung als auch dem Kornmahlen diente. 1813 brannte sie ab, wurde aber wieder aufgebaut. 1887 vernichtete ein Feuer die Mühle endgültig. |
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| Das Herrenbrack war ein herrschaftliches Brack. Über seine Entstehung weiß man nichts. Mitten im Brack lag eine kleine Insel auf der einst der "Herrenspieker" stand. Der Herrenspieker wurde vermutlich nach dem Erwerb der Landschaft Billwärder durch Hamburg um 1395 gebaut. Eine Wachmannschaft war hier stationiert, die über die Elbhoheit und die Sicherung des Stapelrechts wachte. Früher mündete hier die Dove-Elbe in die Norderelbe. Im Herrenspieker wurde auch das Landgericht für den Billwärder abgehalten und er diente dem Landherrn als Unterkunft. 1664 war der Spieker so baufällig geworden, dass nur noch ein Abriss in Frage kam. Das Herrenbrack wurde 1909 durch Zuschüttung auf die Hälfte verkleinert und bis 1957 ganz verfüllt. In den 1980er Jahren geriet es in die Schlagzeilen, da Bodenproben eine hohe Belastung mit Dioxin, HCH u.a. ergaben - vermutlich durch Industrieabfälle der Firma Boehringer. Daraufhin erfolgte die Sanierung des Geländes. | |||||||||||||
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| Herrenbrack, Spieker, Kirche, Urenflet 1623, Karte von Joh. Behrens | |||||||||||||
| Moorfleet wurde nach der Bedeichung ausschließlich landwirtschaftlich genutzt. Zunächst bildete der Getreideanbau die Haupteinnahmequelle. Im 16. Jahrhundert wurde der Kohlanbau bedeutend. In Moorfleet wurde auch die Milchwirtschaft intensiv betrieben, da die Wege zum Hamburger Markt kurz waren. Seit dem 18. Jahrhundert wurde der Gemüseanbau die wichtigste Einnahmequelle. 1870 baute man die ersten Tomaten an.
Auch heute werden weite Flächen von Moorfleet noch landwirtschaftlich genutzt, obwohl die nahende Großstadt seit Beginn des 20. Jahrhunderts die Wirtschaftlichkeit immer schwieriger macht. |
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| Die Schönheit Moorfleets und die Nähe zur Stadt führte dazu, dass sich hier im 17. und 18. Jahrhundert zahlreiche Hamburger Kaufleute, Senatoren und Pastoren ihre Sommersitze bauten. Repräsentative Landhäuser entstanden. Die ehemaligen bäuerlichen Besitzer blieben als Verwalter auf den Landsitzen und betrieben die Hofwirtschaft. Das einzig erhaltene ehemalige Landhaus in Moorfleet ist das Gebäude Moorfleeter Deich 359. Das in Kreuzbauweise errichtete Gebäude stammt aus dem 17. Jahrhundert. | |||||||||||||
| Die Bebauung des westlichen Moorfleets ist relativ neu. Im Winter 1813, zum Ende der Franzosenzeit in Hamburg, hat der französische Marschall Davout das gesamte westliche Moorfleet bis zu Kirche niederbrennen lassen um freies Schussfeld zu bekommen. Nur die kleine Kate am Moorfleeter Deich 171 hat die Zerstörung überlebt.
Wie die gesamten Vier- und Marschlande, hatte auch Moorfleet immer unter Sturmfluten zu leiden. Auch bei der letzten verheerenden Sturmflut 1962 hatte Moorfleet 1962 drei Deichbrüche zu verzeichnen - |
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| einen in Höhe Moorfleeter Deich 41, einen bei der Autobahnbaustelle der A1 und einen an der Billwerder Insel zur Billwerder Bucht hin. 11 Menschen starben in Moorfleet bei dieser Flut.
Ein historisch interessantes Gebäude findet man am Sandwisch 25. 1850 gründete der Moorfleeter Pastor Heinrich Matthias Sengelmann im Pastorat die "Christliche Arbeitsschule" um Kindern der armen Bevölkerung Schulbildung zu ermöglichen. 1851 war das Pastorat zu klein geworden und er kaufte das kleine Haus am Sandwisch. Die Schule blieb hier bis 1863. Dann wurde auch dieses Gebäude zu klein. Sengelmann erwarb Besitz in Alsterdorf und siedelte dorthin um. Damit sind in Moorfleet die Alsterdorfer Anstalten gegründet worden. Sengelmanns Grab ist auf dem Moorfleeter Kirchhof. |
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| Einen repräsentativen Bau findet man am Moorfleeter Deich 341. Dieser gründerzeitliche Putzbau wurde 1888 anstelle eines abgebrannten Landhauses errichtet. Lange Zeit war in ihm ein Gasthaus mit Tanzsaal. Seit 1993 ist hier das "Come in" untergebracht - eine soziale Einrichtung für suchtkranke Kinder. | |||||||||||||
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| Das Erscheinungsbild Moorfleets hat sich in den letzten 150 Jahren nachhaltig verändert. Zwischen 1875 und 1879 hat man regulierend in den Elblauf eingegriffen. Die Norderelbe wurde verkürzt, indem man die zur Peute gehörende Kaltehofe durchstach. Die Mündung der Dove-Elbe wurde an die heutige Stelle verlegt und der alte Lauf zwischen der Tatenberger Schleuse und dem Moorfleeter Deich abgedämmt. Vorher mündete die Dove-Elbe am Holzhafen in Höhe Sandwisch in die Norderelbe, deren ursprünglicher Lauf in der Billwerder Bucht zu sehen ist. | |||||||||||||
| Auf Kaltehofe baute man zwischen 1890 und 93 das Wasserwerk Kaltehofe - Hamburgs ältestes Wasserwerk. Zunächst handelte es sich um ein Elbwasserfilterwerk. Auf der Billwerder Insel wurde das Wasser in vier Ablagerungsbecken vorgereinigt. Über unterirdische Kanäle gelangte es zu 22 Langsamfilterbecken auf Kaltehofe. Da die Elbwasserqualität immer schlechter wurde, erfolgte in den 50er Jahren das Niederbringen von 50 Flachbrunnen für die Grundwassergewinnung. Seit 1964 wurde ausschließlich Grundwasser gefördert. Aber auch die Grundwasserqualität wurde hier immer schlechter. 1990 wurde das Wasserwerk Kaltehofe stillgelegt. Derzeit wird das Wasserwerk zu einem kulturhistorischen Denkmal umgebaut. | |||||||||||||
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| Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es in Moorfleet zu großen Flächenaufkäufen durch Hamburg für geplante Industrie-, Gewerbe- und Wohngebiete. Die Bauprojekte wurden aufgrund des 1. Weltkriegs nicht voll ausgeführt, lediglich das Gebiet nördlich der Andreas-Meyer-Straße hat man mit Gewerbe und Industrie bebaut und von Moorfleet abgetrennt. | |||||||||||||
| Zwischen 1935 und 1938 wurde die Alte Dove-Elbe mit Baggersand aufgespült. Ab 1938 erfolgte eine landwirtschaftlich Nutzung. 1942 wurde hier eine Flak-Stellung mit 17 Geschützen, Baracken und Zubehör eingerichtet. Nach dem Krieg nutzte man die Baracken zunächst für Wohnzwecke. Die zahlreichen Bombentrichter wurden verfüllt und Oberboden aufgebracht. Zwischen 1949 und 1956 entstand auf dem Gebiet Die "Bille-Siedlung Moorfleet" mit 212 Siedlerstellen. In den 1980er Jahren geriet die Siedlung in die Schlagzeilen, nachdem in Bodenproben erhöhte Werte Arsen, Blei und Cadmium, Bodengase sowie Ölschlamm entdeckt worden waren. Umfangreiche Untersuchungen begannen, die zur Absiedelung der Bille-Siedlung führten. Die Stadt Hamburg kaufte Grundstücke und Häuser auf, die Siedler verließen das Gelände. 1992 wurde eine umfangreiche Flächensanierung begonnen. Die Häuser auf den schwer belasteten Flächen wurden abgerissen. Ein Golfplatz befindet sich heute auf diesem Areal. In anderen Bereichen konnte der Boden saniert werden. Hier ist es mittlerweile zur Verdichtung der Bebauung gekommen und neue Familien haben sich angesiedelt. | ![]() |
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| Zu erwähnen sind noch der Bau der A1 in den 1960er Jahre und der Marschenautobahn 1981, die Moorfleets Gesicht verändert haben. Die Feldhofe, eine alte Hufe in Moorfleet, deren Wohnhaus auf einer Warft lag, ist heute nicht mehr erkennbar. Ein schwedisches Möbelhaus und eine Baumarktkette haben 2002 Filialen auf dem Grundstück eröffnet. | |||||||||||||