Wissenswertes über die Vier- und Marschlande
Mit rund 130 qkm bilden die Vier- und Marschlande das grösste zusammenhängende Blumen- und Gemüseanbaugebiet Deutschlands.
Traditionell herrschen in den Vierlanden die Blumenzucht und in den Marschlanden der Gemüseanbau vor. Hinter den langgezogenen Deichen prägen auch heute noch Gärten, Wiesen, Felder und Gewächshäuser den landschaftlichen Charakter dieser Gegend, die 80 % aller Hamburger Gartengewächse produziert. Die Vier- und Marschlande produzieren damit mehr als Hamburg verwerten kann. 1911 wurde in Fünfhausen die Hamburgische Gartenbauversuchsanstalt gegründet, mit der Aufgabe, den Gemüse- und Blumenanbau zu fördern. Heute haben einige Betriebe auf Bioproduktion umgestellt. Zahlreich besteht die Möglichkeit die heimischen Produkte an Verkaufsständen oder in Hofläden frisch vor Ort zu erwerben.
Doch nicht nur für die Versorgung Hamburgs sind die Vier- und Marschlande von Bedeutung, sondern auch für die Naherholung. Auf landschaftlich schönen Wegen können Ausflüge mit Fahrrad, Boot, Inlinern oder zu Fuß unternommen werden. Mehrere Badegewässer locken zum Schwimmen, und Kleingärten sowie Dauercampingplätze sind zahlreich vorhanden.

Zudem bilden die Vier- und Marschlande die grüne Lunge Hamburgs. In den Naturschutzgebieten (Reit, Kirchwerder Wiesen) leben gefährdete Tier- und Pflanzenarten und auch Störche sind in den Vier- und Marschlanden anzutreffen. Doch nicht nur für die Versorgung mit Lebensmitteln und zur Naherholung sind die Vier- und Marschlande für Hamburg wichtig - hier gibt es sogar Rohstoffe.

Bei Bohrarbeiten der Wasserwerke hat man 1910 durch Zufall in 247 m Tiefe Erdgas im Bereich Neuengamme / Reitbrook entdeckt. Eine 18 m hohe Flamme zog zahlreiche Schaulustige an, die sogar aus Berlin anreisten um das Naturschauspiel zu erleben. Das Bohrloch wurde über Rohrleitungen mit dem Gaswerk Rothenburgsort verbunden. Der Erdgasvorrat reichte bis 1922. Danach suchte, fand und förderte man hier Erdöl. Seit 1972 wird hier unterirdisch Erdgas gespeichert, das in anderen Gebieten gewonnen wird. Auch zur Hamburger Stromversorgung tragen die Vier- und Marschlande bei. 1991 wurde in Ochsenwerder Hamburgs erstes kommerzielles Windkraftwerk in Betrieb genommen. Seitdem hat sich die Anzahl der Windräder in den Vier- und Marschlanden stetig erhöht. In Ochsenwerder gibt es mittlerweile sechs, weitere stehen in Neuengamme. Derzeit beabsichtigt Hamburg die Gebiete für Windenrgieanlagen zu erweitern. Dagegen hat sich in Ochsenwerder eine Bürgerinitiative gegründet (BIWO). Sie sieht die geplante Größe in Verbindung zum Heranrücken an die Wohnbebauung (nur 300 m Abstand) kritisch.
Nicht zuletzt tragen die Kirchen (alle evangelisch und mit sehenswerter kunsthandwerklicher Ausstattung, z.T. durch namhafte Baumeister) sowie zahlreiche historische Bauernhäuser und Katen dazu bei, dass sich der reizvolle Charakter der Landschaft bis heute erhalten hat.

Obwohl die Vierlande und die Marschlande sich den gleichen Naturraum teilen, haben sie eine verschiedene Geschichte, wodurch sich kulturelle Unterschiede und Eigenarten gebildet haben. (siehe Vierlande und Marschlande)